Törnbericht Skippertraining mit der Sailcom vom 20. bis 23.Oktober 2005 von Hamburg nach Helgoland auf der „Rapidus“

Donnerstag, 20. Oktober 2005
Der Oktober 2005 hatte bislang alle Anzeichen hervorgebracht ein vollständig goldener zu werden und so waren wir guten Mutes, dass auch das vorletzte Wochenende in diesem Monat bei schönem Wetter zu verbringen – was für ein Skippertraining nicht ohne Bedeutung ist. Dazu hatten sich Oliver Ziem, Sven Meyer, Jörg Müller, Jonny Worzeck und Gunnar Frankenberg zusammengefunden. Skipper war der atlantikerfahrene Guntram Seiß.

Ausbildungsyacht Rapidus mit Alu-Rumpf

Trotz der geballten Kompetenz gab es für einige von uns auch völlig neue Erfahrungen, nämlich das Gezeitensegeln und das zwangsläufig damit einhergehende Nachtsegeln. Und so ging es dann mit Beginn der Dunkelheit vom Hamburger Yachthafen in Richtung Glückstadt. Die sternklare Nacht bot dann eine sehr gute Gelegenheit, das Wissen über die nächtliche Beleuchtung der Seefahrt zu perfektionieren. Gegen 22:30 stand der Wechsel zur Flut an, so dass wir in Glücksstadt festmachten und – nach einer ausgiebigen Lidl-Brotzeit – schnell die Kojen aufsuchten, da für den nächsten Tag ein langer Schlag geplant war : die Fahrt nach Helgoland.

Erster Zwischenstop in Glückstadt


Freitag, 21. Oktober
Das bedeutete zunächst einmal früh aufstehen - die Tide nimmt da keine Rücksicht. Bei unserem ehrgeizigen Plan darf keine Stunde verschenkt werden. Also, morgens um 6:00 Uhr hieß es dann „Leinen los“ und wir fuhren im Morgengrauen mit achterlichen Winden und dem ablaufenden Elbwasser mit sechs Knoten die Elbe hinunter. Zeit für Schulungs-Manöver gab es nicht und viele Manöver waren – abgesehen vom Setzen eines Bullenstanders – auch nicht erforderlich. Viel Abwechslung boten aber die vorbeifahrenden Frachter und Militärschiffe von und nach Hamburg und die Landschaft der Elbauen. Hinter Brunsbüttel wurde die Elbe kontinuierlich breiter und hinter Cuxhaven und den berüchtigten Untiefen bei Vogelsand begann dann langsam das offene Meer bzw. die Hochsee.

Die Crew vor Helgoland

Das Wetter hat uns alle dabei positiv überrascht. Statt der erwarteten Oktoberkälte mit den entsprechenden Stürmen wehten konstante 4 Windstärken bei überwiegend sonnigem Himmel und fast angenehmen Temperaturen – zu mindest erst einmal...

Elbe im Morgengrau

Gegen 17:00 Uhr verkündeten die ersten Möwen, dass Land in der Nähe sein musste und kurz darauf tauchte im nebligen Horizont die Hochseeinsel Helgoland auf. Inzwischen hat der Oktober wohl gemerkt, dass er es zu gut mit uns gemeint hatte und legte noch ein paar Wellen, Wolken und Windstärken zu, so dass die Einfahrt in den Helgoländer Hafen sich als die erste skippertrainingsgemäße Herausforderung entwickelte.



Joerg bei der Navigation

Kurs Helgoland - finden sie den Weg?

Aber an Land warteten schon die nächsten angemessenen Herausforderungen auf die inzwischen gut eingespielte Crew: der Eier-Grog, eine Mischung aus Rum und Arak, Zucker und natürlich frischen gequirlten Eiern. Nach einem oppulenten Mahl auf dem Helgoländer Oberland bekamen wir das angeblich beste Exemplar des hiesigen Nationalgetränks kredenzt, nach einer kleinen Wanderung ins Unterland konnten wir erneut eine Bar ausfindig machen, die ebenfalls nach eigenen Angaben den besten Eier-Grog der Insel erstellte. Wir überlassen es den nächsten Helgolandreisenden den tatsächlich besten Eiergrog aufzuspüren ...

Helgoländer Eierkrog schmeckt gut


Bevor wir uns in die Kojen legten, wurden noch einmal die Bier- und Wurstreserven geplündert und somit hatten wir genügend Kraft und Mut für den nächsten Tag, der sich schon in der Nacht mit heftigen Winden ankündigte...

Gunnar im Seegang


Also setzten wir nach einem schwierigem Ablegemanöver nur die Fock und verließen die Helgoländer Gewässer in Richtung offenes Meer. Dort erwartete uns die beständig blasenden 7-8 Windstärken, die inzwischen einen ordentlichen Seegang aufgebaut hatten. Guntrams Atlantikerfahrung war sicherlich für die erste Zeit am Ruder hilfreich und so kreuzten wir die schwere See mit ca. 7 Knoten – ohne dass die Crew die zuvor mühsam ergatterten Speisen vorzeitig wieder aufgeben musste!
Wind, Seegang und Geschwindigkeit waren einem Skippertraining durchaus angemessen und so erreichten wir– nach dem der Wind später auf 3 Windstärken abflaute - Cuxhaven rechtzeitig vor dem Kentern der Tide.

Olli als erfahrener Steuermann

Jonny zauberte aus den verbliebenen Lebensmitteln ein vorzügliches Abendessen und so gingen wir früh schlafen, da die Nacht nur kurz sein würde.

Jonny unser Smutje am Zaubern

Sonntag, 23. Okober 2005
Der letzte Tag begann dann schon früh, nämlich morgens um 2:00, als das Wasser die Elbe hineinlief und wir die Strömung nutzen mussten, um in Richtung Hamburg zurückzukommen. Für einen echten Skipper sind diese Zeiten natürlich kein Problem. Damit wir doch lernen, mit einigen Problemen umzugehen, baute unser Skippertrainer kleine Tricks und Fallen auf, wie z.B. das plötzliche Abschalten des Motors beim Ablegen. Die eingespielte Crew lies sich aber trotz der frühen Stunde nicht aus der Ruhe bringen und so konnte der Törn zunächst in Richtung Glücksstadt fortgesetzt werden. Bei leichtem Wind und mit Hilfe der Tide machten wir einer Fahrt über Grund von 3-4 Knoten und konnten morgens um 7:00 Uhr kurz vor Beginn der Flut in Glücksstadt festmachen. Kurz vorher fiel der Motor tatsächlich aus, so dass wir in alter Tradition unter Segeln angelegt haben.



Glückstadt - auf einmal war das Wasser weg!

Jetzt mussten wir bis zum nächsten Tidenwechsel um 14:00 warten, um die Fahrt nach Wedel fortzusetzen. Wir nutzten die Zeit, um fehlenden Schlaf nachzuholen oder die größten Attraktionen von Glücksstadt zu besichtigen, die immerhin einen hübschen Marktplatz und einen halbwegs interessanten Flohmarkt zu bieten hatte.

Kurz vor Helgoland


Weil Segeln unter Segeln viel romantischer ist als mit Motor haben wir auch entsprechend abgelegt bzw. sind mit einigen Schlägen aus dem Hafen von Glücksstadt herausgekreuzt, ohne den inzwischen wieder funktionsbereiten Motor zu nutzen.
Vier Stunden später erreichten wir den Hamburger Yachthafen in Wedel. Ein erlebnis- und lehrreicher Segeltörn, der allen sehr viel Spaß gemacht hat, ging zu Ende.

Fazit:
Wir haben alle viel gelernt, auch wenn wir nur wenige Übungsmanöver trainiert haben. Jeder von uns konnte sich in der Sicherheit, ein Boot tatsächlich zu führen, verbessern. Dazu gab es noch jede Menge Spaß und jeder von uns würde sich gleich wieder für das nächste Skippertraining anmelden.

 

 

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